Küchenfenster, Brittelmaß und andere Begrifflichkeiten

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Immer wieder tauchen im Sprachgebrauch des Anglers Fachbegriffe auf, die nicht nur Außenstehende verwirren. Insbesondere bei den Regelungen zu Maßigkeiten von Fischen gibt es Begriffe, von denen kaum jemand genau weis, was sie eigentlich bedeuten.

Das Team von anglerneuigkeiten.de hat versucht, die wichtigsten näher zu beleuchten:


Besondere Schonmaße bei Fischen

Jeder Angler kennt die in den Fischereigesetzen „seines“ Bundeslandes aufgeführten Schonmaße.

Es gibt jedoch auch weitere Begrifflichkeiten wie z.B. „Brittelmaß“, „Küchenfenstermaß“ oder Zwischenschonmaße“. Aber was bedeuten diese Begriffe und warum/wofür sind diese entstanden?

Brittelmaße sind das Selbe, wie auch das Schonmaß: Der Fisch muss eine Mindestgröße haben, damit er entnommen werden darf. Dieser Begriff stammt aus dem Süddeutschen, Österreich sowie der Schweiz.

Die Zwischenschonmaße gehen einen etwas anderen Weg. Sie beschreiben ein Maßfenster innerhalb dem Fisch nicht entnommen werden kann, also ein Mindestmaß und ein Höchstmaß.

Zudem hat sich auch der Begriff des Küchenfensters eingebürgert, hier ist ein Maßfenster zur Entnahme gemeint.

Warum sind die Schonmaße überhaupt vorgegeben? Ein Fisch wird erst ab einem bestimmten Alter geschlechtsreif. Dann hat er in der Regel eine Länge von x cm. Nun soll er aber, bevor er gefangen und verwertet wird, auch noch ablaichen – dass heißt, er ist dann noch etwas länger. Hier wird dann durch den Gesetzgeber das Schonmaß festgesetzt.

Durch Außeneinflüsse wie Witterung, Krankheiten oder übermäßig viele Fraßfeinde in bestimmten Jahrgängen kann es geschehen, dass in einigen Gewässern bestimmte Fischlängen nicht mehr in ausreichender Anzahl vorhanden sind, die Alterspyramide ist im Ungleichgewicht.

Um hier einzugreifen, wurde das Konstrukt des Zwischenschonmaßes eingeführt. Hierbei ist eine klare Abgrenzung zum so genannten Küchenfenster zu setzen! Das Zwischenschonmaß bedeutet, dass eine bestimmte Größe geschützt wird, das Küchenfenster dagegen setzt auf die Entnahme innerhalb eines begrenzten Maßraumes.

Daher kann man hier eine klare Abgrenzung, auch bezogen auf die Intension, sehen.

Küchenfensterregelung wird zur „Befriedigung“ der verschiedenen Anglertypen eingesetzt, d.h. sowohl die „Kochtopfangler“ wie auch die Großfischangler haben gleichsam ihren Zielfisch. Eine andere Variante/Möglichkeit für das Küchenfenster ist den Großfisch dafür einzusetzen, um als Fraßfeind für andere, nicht gewollte, Fischarten herzuhalten. Beispielhaft kann hier der Zander im Rhein gelten, als Fraßfeind für die Grundeln.

Beim Zwischenschonmaß steht dagegen die fischökologische Betrachtung im Vordergrund: die Alterspyramide soll wieder hergerichtet werden. Das Zwischenschonmaß kann aus diesem Grunde auch nur nach sehr aufwendigen Bestandserhebungsmaßnahmen – die zudem auch noch teuer sind – eingeführt werden. Ebenso ist ein laufendes Monitoring während der Maßnahme erforderlich. Nach erfolgreichem Bestandsaufbau ist das Zwischenschonmaß auch wieder zurück zu nehmen.


Da insbesondere das sogenannte Küchenfenster in der letzten Zeit häufiger Gegenstand diverser Berichte, Betrachtungen und Meinungsäußerungen war, haben wir als Team von anglerneuigkeiten.de Vertreter diverser spezialisierter Anglergruppen gebeten, uns ihre jeweilige Meinung zu diesem Thema dar zu legen.

Beginnen werden wir an dieser Stelle mit einem Statement von Sven Brux, 1. Vorsitzender des VDKAC e.V. (Verband Deutscher Karpfenangel Clubs):

Das Küchenfenster als Instrument moderner Gewässerbewirtschaftung

Seit geraumer Zeit wird landauf, landab heftig über die Einrichtung von sog. „Küchenfenstern“ diskutiert.
Hierbei geht es nicht um eine gesetzliche Regelung, sondern eine gewässerspezifische und vom jeweiligen Pächter (Verein, Berufsfischer o.ä.) erlassene Bestimmung, die besagt, dass Fische unabhängig vom gesetzlichen Mindestmaß wieder schonend dem Gewässer zuzuführen sind, wenn sie außerhalb eines nach Zentimetern bemessenen Fensters gefangen wurden. Hierbei wird oft das gesetzliche Mindestmaß spürbar angehoben und obendrein festgelegt, dass Fische oberhalb eines festgelegten Maßes zurückzusetzen sind. Beispiele: Hecht darf nur entnommen werden, wenn er zwischen 60 und 90 cm lang ist, Karpfen zwischen 60 und 80 cm etc.
Wir als organisierte Karpfenangler sind der Ansicht, dass wir Angler uns heute mehr denn je mit den veränderten Realitäten am Wasser auseinanderzusetzen haben und versuchen müssen, die unterschiedlichen Wünsche der diversen Anglergruppen unter einen Hut zu bekommen. Wie wir alle wissen, gibt es Angler, die alle gefangenen Fische entnehmen. Andere versuchen gezielt, möglichst nur kapitale Exemplare zu erbeuten. Wiederum andere entnehmen gar keine Fische und nochmal andere bilden Schnittmengen hiervon. Die Kenntnis der aktuellen Gesetzeslage setzen wir als bekannt voraus.
Leider haben wir den Eindruck, dass sich die unterschiedlichen Anglergruppen eher darauf fokussieren, ihren eigenen Standpunkt auf Biegen und Brechen durchzusetzen als nach brauchbaren und für alle tragbaren Kompromissen zu suchen. Für uns ist das Küchenfenster“ ein solcher Kompromiss. Im Gegensatz zu früheren Zeiten ist es heutzutage glücklicherweise nicht mehr nötig, den gefangenen Fisch als zwingend notwendigen Teil der täglichen Nahrungsbeschaffung zu sehen. Vielmehr ist das Angeln eine hochwertige und oft kostenintensive Freizeitgestaltung, die über den erzielten Erholungswert und eine hohe integrative Kraft verfügt, die es gerade in unserer heutigen Gesellschaft zu schützen gilt.
Wohl die meisten Angler freuen sich, wenn sie einen kapitalen Fisch erbeuten können. Vielfach ist dies aber unmöglich, weil die Besatz- und Entnahmepolitik von Vereinen und Verbänden in Verbindung mit oftmals sehr hohem Befischungsdruck ein Aufkommen von kapitalen Fischen verunmöglicht.
Auf wissenschaftlicher Seite gibt es Aussagen dahingehend, dass eine hohe Zahl an kapitalen (Laich-) Fischen  bzgl. Quantität und Qualität der natürlichen Fortpflanzung einen positiven Effekt auf den Bestand im jeweiligen Gewässer hat. Ein insgesamt höherer Ertrag nach Einrichtung eines Küchenfensters wird hierbei genannt. Selbstverständlich muss diese These auf den Karpfen bezogen hierzulande mit Vorsicht genossen werden, da die natürliche Vermehrung aus klimatischen Gründen nur in wenigen Gewässern möglich ist. Im Zuge der Klimaveränderungen dürfte sich dies aber mittelfristig dahingehend ändern, dass sich auch der Karpfen mehr und mehr auf natürlichem Wege fortpflanzt.
Wen wir von „höherem Ertrag“ sprechen, darf damit aber nicht nur der Ertrag in Kilogramm Fisch gemeint sein. Auch wirtschaftliche Ressourcen der Vereine sind in die Überlegungen mit einzubeziehen. Wenn aufgrund eines eingerichteten Küchenfensters der jährliche Neubesatz spürbar verringert werden kann, wird sich dem wohl kein Kassenwart verweigern. Auch die Mehreinnahmen durch Kartenverkäufe und darüber hinaus durch touristisch bedingte Mehreinnahmen müssen einkalkuliert werden. Warum tragen jährlich zigtausende von Anglern ihre enorme Wirtschaftskraft ins Ausland? Unter anderem, weil sie dort aufgrund der dortigen liberaleren Entnahmepolitik größere Chancen auf den „Fisch des Lebens“ haben. Auch dieser Tatsache müssen wir bei einer sachlichen Betrachtung des Themas ins Auge sehen.
Unzählige Angler praktizieren das Zurücksetzen aus den unterschiedlichsten Gründen auch heute schon, befinden sich damit jedoch auch immer in einer gesetzlichen Grauzone und laufen Gefahr, von Amts wegen verfolgt zu werden. Ein Küchenfenster würde eine Entkriminalisierung vieler Angler bedeuten und die Rechtssicherheit in diesem Feld fördern.
Ein Küchenfenster sollte unserer Ansicht nach nicht flächendeckend eingeführt werden. Jedes Gewässer hat seine Besonderheiten und verantwortungsvolle Nutzer sollten von Gewässer zu Gewässer entscheiden könne, ob und in welchem Maße ein Küchenfenster Sinn macht.
Wir als VDKAC e.V. haben uns auf die Fahnen geschrieben, für ein tolerantes Miteinander aller Anglergruppen einzutreten. Wir sind gegen ein totales Entnahmegebot und genau so gegen ein absolutes „Catch and release“. Ein mündiger Angler sollte selbst entscheiden können, ob er einen gefangenen Fisch sinnvoll verwerten kann oder nicht.
In der Summe der oben angeführten Argumente halten wir das Küchenfenster für ein sehr gut geeignetes Instrument, um die unterschiedlichen Bedürfnisse der Angler zu befriedigen, Ressourcen zu schonen, Mehreinnahmen zu generieren und Rechtssicherheit herzustellen. Wir würden uns wünschen, dass die Diskussion über das Küchenfenster sachlich und lösungsorientiert geführt wird.

VDKAC e.V.

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