Setzkeschernutzung in NRW

Über die Nutzung des Setzkeschers in NRW wird oft und viel diskutiert. Hierbei geht es dann weniger um das „Warum“ sondern „darf ich“ oder „darf ich nicht“. Die Befürworter berufen sich darauf, dass weder FischG NRW noch die FischO NRW etwas anderes hergeben. Das ist auch erst einmal richtig.

Diejenigen, die vertreten, dass die Nutzung des Setzkeschers in NRW verboten ist, können dies meist nicht begründen. Es kommen dann Antworten wie:

  • steht im Tierschutzgesetz bzw. kann man daraus ableiten
  • steht in der Gewässerordnung
  • steht in der Durchführungsverordnung zum FischG NRW

In diversen Gewässerordnungen steht das Verbot zur Setzkeschernutzung und ist somit für das jeweilige Gewässer auch bindend. Aber auch nur für diese. Im Nachbargewässer kann der Setzkescher erlaubt sein.

Die beiden anderen Antworten sich jedoch falsch. Aber wenn so viele Angler behaupten, in NRW ist der Setzkescher verboten, muss es dafür auch einen Hintergrund geben.

Es gibt ihn in der Tat! Aus 2 Dokumenten könnte man ein Verbot ableiten:

  1. Erlass des MURL von NRW vom 3.4.1991 – III B 8-2463-5020

    Verwendung
    des Setzkeschers und des lebenden Köderfisches
    Erlaß des MURL von NRW vom 3.4. 1991 – III B 8-2463-5020

    Auf der Sitzung des Beirates für das Fischereiwesen am 14.3.1991 hat der Vertreter meines Hauses, Gruppenleiter Neiss, zum o.a. Thema wie folgt Stellung genommen:

    „Lassen Sie mich mit der durch die mir neu übertragene Aufgabe möglichen Unbefangenheit zu diesem Thema Stellung nehmen:

    Das Thema Schmerzempfinden der Fische als Grundlage von tierschutzrechtlichen Einschränkungen fischereilicher Praxis im Hinblick auf die Verwendung des Setzkeschers oder des Köderfisches ist durch wissenschaftliche Stellungnahmen ausdiskutiert.

    Auch wenn bei Fischen ein ähnliches System von Schmerzreaktionen wie bei höheren Wirbeltieren noch nicht eindeutig belegt werden konnte, gilt es fachlich für geklärt, dass ein hoher Grad von Streß mit den dadurch bedingten Reaktionen beim Fisch als Leiden aufgefaßt werden muß. Dieses Leiden ist dem Begriff Schmerz zuzuordnen. Die Urteile von Hamm, Düsseldorf und Bremen lassen im übrigem eine andere rechtliche Auffassung überhaupt nicht zu. Dies gilt im übrigem nicht nur im Hinblick auf die Verwendung des Setzkeschers bei Wettfischen oder ähnlichen Veranstaltungen, sondern generell. Auch angesichts der schon seit Jahren klaren Empfehlungen des Sportfischereiverbandes auf Bundesebene kann man bei dieser eindeutigen Sach- und Rechtslage aus Gründen des Tierschutzes nur die Auffassung vertreten, daß die Verwendung von Setzkeschern nur dann vertretbar ist, wenn tatsächlich nach eingehender Überprüfung keine andere Möglichkeit besteht, das Lebensmittel Fisch genießbar zu erhalten oder den Köderfisch auf Grund einer genehmigten hegefischereilichen Notwendigkeit für gewisse Zeit lebend zu hältern. Es muß also in jedem Fall ein überzeugender Grund für gewisse Zeit Hälterung nachgewiesen werden. Daß normalerweise durch organisatorisch an Ort und Stelle ausgeweidete Fische für ausreichend lange Zeit frisch gehalten werden können, steht technisch außer Frage.

    …“

  2. Wichtige Mitteilung des Fischereiverband NRW e.V. vom 14. März 1991

    Fischereiverband Nordrhein-Westfalen e.V.

    Wichtige Mitteilung

    Liebe Angelfreunde!

    Der Fischereiverband Nordrhein-Westfalen e.V. mit den vier Landesgruppen
    Landesfischereiverband Westfalen und Lippe e.V.
    Landesfischereiverband Nordrhein e.V.
    Sportfischerverband Nordrhein e.V.
    Landesverband Westfalen-Lippe e.V.
    sieht sich veranlaßt, Ihnen folgende wichtige Nachrichten zu übermitteln:

    1. Der Verband empfiehlt nach eingehender Erörterung im Beirat für das Fischereiwesen beim Ministerium für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft (MURL Düsseldorf), beim Angeln den Setzkescher grundsätzlich nicht mehr zu verwenden.

    Begründung
    Das Urteil vom 17.10.1990, AG Düsseldorf – 301 OWi/905 Js 919/89 sowie der Artikel von Oberstaatsanwalt Hermann Drossé in der Monatsschrift für Deutsches Recht 3/1991 (vgl. Anlage) haben deutlich gezeigt, daß beim Einsatz des Setzkeschers strafrechtliche Konsequenzen nicht mehr ausgeschlossen werden können. Auch die Untersuchungen namhafter Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, daß die bei der Hälterung von Fischen im Setzkescher auftretenden Beeinträchtigungen so gravierend sind oder zumindest sein können, daß ein Verzicht auf den Setzkescher dringend empfohlen werden muß, um weitere Verurteilungen von Angelfischern auszuschließen.

Der Erlass des MURL bezieht sich in der Hauptsache auf die Urteile von Hamm, Düsseldorf und Bremen, in denen Fischen Leiden durch Stress unterstellt wird und somit der Hälterungsvorgang unter dem Begriff Schmerz einzuordnen ist. Damit würde das Tierschutzgesetz greifen. Zum Zeitpunkt des Erlasses war diese Sichtweise verständlich und daher auch logische Konsequenz.

Die wichtige Mitteilung des FV NRW war demnach auch Folgerichtig.

Um den heutigen Erkenntnissen genüge zu tun müssten/sollten entsprechende neue Erlasse/Empfehlungen herausgegeben werden.

Das Urteil von Rinteln aus dem Jahr 2000 (Az: 6 Cs 204 Js 4811/98 (245/98)) kommt auf Grund neuer Erkenntnisse zu 2 Freisprüchen. Nun wurde die Setzkeschernutzung nicht mehr generell mit Stress = Leiden = Schmerz = Tierschutzwidrig gleichgestellt.

In der Folge haben verschiedene Bundesländer die Setzkeschernutzung wieder ausdrücklich erlaubt. So etwa Hessen, Sachsen-Anhalt und jüngst erst in Schleswig-Holstein. Niedersachsen erlaubt die Verwendung eines Setzkeschers nur zu hegerischen Maßnahmen.

Worüber reden wir bei der Setzkeschernutzung überhaupt?

In der Regel geht es um die Frischhaltung des Lebensmittels Fisch. Die immer wieder auftauchende Behauptung, dass es problemlos möglich ist den getöteten und ausgeweideten Fisch über einen ausreichend langen Zeitraum frisch zuhalten ist inzwischen widerlegt. Die Eiweiße beginnen sich sehr schnell zu zersetzen und das Lebensmittel beginnt zu verderben. Das wird gerade für Angler, die eine weite An- und Abreise zum Angelgewässer haben dann zum Problem.

Auch haben sich zwischenzeitlich Richtlinien bezüglich des Setzkeschers an sich und dessen Nutzung durchgesetzt:

  • Durchmesser von mind. 50 cm
  • knotenloses Material
  • mind. 3,50 m lang
  • die letzten 2 m des Setzkeschers sollen komplett im Wasser liegen, wobei die Ringe müssen aufgerichtet sein müssen
  • der Setzkescher muss horizontal ausgerichtet sein und durch geeignete Maßnahmen gespannt werden
  • bei Strömung soll der Setzkescher parallel zu dieser ausgelegt werden, damit sich die Fische in der Strömung ausrichten können
  • Vorgegebene maximale Füllmenge (Verhältnis, Volumen zu Biomasse)
  • Kein Rücksetzen gehälterter Fische

Wegen dieser neuen anglerfreundlichen Entwicklungen wurde durch den Autor dieses Berichtes eine Anfrage beim FV NRW e.V. gestellt, ob durch diesen eine Änderung der Mitteilung/Empfehlung vom 14.03.1991 angedacht ist. Nach Diskussionen im Präsidium des FV NRW e.V. am 15.02.2012 wurde durch den (da noch) Präsidenten Herr Dr. Ernst Heddergott, mitgeteilt, dass derzeit eine neue aktualisierte Empfehlung zur Verwendung des Setzkeschers nicht erforderlich sei.

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