VDKAC veröffentlicht Schreiben an das Präsidium des DAFV

Der VDKAC (Verband Deutscher Karpfenangel Clubs) e.V. hat ein Schreiben, welches an das Präsidium des DAFV e.V. gerichtet ist, aus gegebenem Anlass veröffentlicht:

Sehr geehrte Frau Dr. Happach-Kasan,
Sehr geehrte Mitglieder des Präsidiums,

im Laufe der Fusionsverhandlungen haben wir bei zahlreichen Gesprächen mit Anglern am Wasser deren Vorbehalte und Erwartungshaltung gegenüber einem fusionierten DAFV feststellen können. Einen großen Raum nahm hierbei die Furcht ein, künftig in seinen anglerischen Rechten noch stärker als ohnehin schon beschnitten zu werden. Dennoch haben wir die Fusion stets unterstützt und die Mitangler und Vereinsmitglieder bestmöglich aufgeklärt, wie Sie den Fachmedien entnehmen konnten.

Jetzt aber, wo die meisten zeitraubenden Zwistigkeiten der Fusion beigelegt sind, ist es an der Zeit, Farbe zu bekennen: Leitlinien stellen unserer Meinung nach das Grundgerüst unseres künftigen Handelns dar.
Sie zeigen auf, wie wir uns als Vertreter der deutschen Angler sehen und wohin wir inhaltlich wollen. Sind die Leitlinien einmal verabschiedet, werden sie auf lange Zeit Gültigkeit haben!

Im europäischen Vergleich, so ist unser Eindruck, haben die Angler in Deutschland einen relativ geringen Einfluss, sie scheinen nicht so sehr in der Gesellschaft verankert wie bei unseren Nachbarn. Wo das Angeln bei unseren Nachbarn Volkssport ist, hemmen hierzulande bürokratische Hürden und eine große Zahl an Einschränkungen die freie Entfaltung unseres Hobbys. Das Schlimme jedoch ist, dass viele Angler das Gefühl haben, dass viele Einschränkungen hausgemacht sind, mit anderen Worten von Repräsentanten der Anglerschaft selbst verursacht und/oder in vorauseilendem Gehorsam abgenickt. Wo die Naturschutzverbände in scheinbarer Einigkeit tätig werden, verlieren sich die Angler in internen Auseinandersetzungen und Fraktionsbildungen. Neid und Missgunst scheinen von außen betrachtet bei uns Anglern eher die Regel als die Ausnahme zu sein. Letzteres zu beheben, kann nicht Aufgabe der Leitlinien sein.

Die Leitlinien sollen aber dem Leser deutlich machen, für welche Interessen der DAFV eintritt: Die Interessen der Angler!

Selbstverständlich begreifen wir uns auch als Naturschützer, bildet doch eine intakte Natur die Grundlage unserer Leidenschaft. In dieser Runde möchten wir ausdrücklich feststellen, dass es die Angler sind, die auf vielfältige, arbeits- und kostenintensive Art und Weise für Naturbelange an den Gewässern engagieren. Ein vergleichbares Engagement erbringt keine andere Organisation in dieser Flächendeckung. Wenn die Basis der Angler einen Großteil der deutschen Angelgewässer hegt und pflegt, dann sollte es in unserem Allgemeinverständnis klar sein, dass dem Angler dies nicht weggenommen oder eingeschränkt werden kann! Ansonsten würde sich die Frage stellen, warum man dies alles machen sollte!

Kein Angler in Deutschland tritt einem Angelverein bei, um gegen die kleine Wasserkraft zu kämpfen oder die EU Wasserrahmenrichtlinie durchzusetzen. Die Angler treten den Vereinen bei, um ihrem Hobby nachzugehen und Fische aus ihren selbst gehegten Vereinsgewässern zu fangen. Es ist mittlerweile leider nur zu oft zu beobachten, dass Gewässer, die jahre- und jahrzehntelang von Anglern gehegt und gepflegt wurden und sich letztendlich erst durch diese Arbeit zu den Naturparadiesen entwickelt haben, als die sie sich heute darstellen, von heute auf morgen der Nutzung durch Angler entzogen und zu Naturschutzgebieten erklärt wurden (übrigens bisweilen auch mit ausdrücklichem Bezug auf die EU Wasserrahmenrichtlinie). Dabei ist es dem naturschützenden Angler nicht verständlich zu machen, dass ihre geleistete Arbeit nicht wertgeschätzt wird.
Hier vermissen wir entschiedeneren, geschlossenen Widerstand der Anglerverbände. Wir haben nun wahrlich eine Vielzahl vor Argumenten, die es unserseits vorzubringen lohnt:

  • praktischer Naturschutz
  • vorbildliche Jugendarbeit (durch Aktivitäten in der Natur kann man die Kids für diese begeistern!)
  • Erlebbar- und Begreifbarmachen von Natur und Umwelt für jedermann
  • Milliardenumsätze und tausende Arbeitsplätze in Industrie und Tourismus

Wir müssen uns nicht verstecken und genau deshalb gehört an Punkt Eins der Leitlinien ein klares Bekenntnis zur Angelei und den Anglern!

Der DAFV ist ein Verband der Anglerverbände und diese Anglerverbände sind Verbände der Angler. Und genau dies hat sich auch in den Leitlinien wiederzufinden.

Mit etwas Verwunderung haben wir im Protokoll der VA Sitzung in Fulda zur Kenntnis nehmen müssen, dass eine Diskussion der Leitlinien nicht in dem Umfang gewünscht ist, den wir als VDKAC e.V. für angemessen erachten. Leider hatte es auch im Vorfeld der Fusion keine ausreichende Diskussion unter Einbezug der Landes- und Spezialverbände gegeben, so dass wir uns zumindest heute mit diesem Brief in die Debatte einbringen möchten. Der Ausdruck auf der neuen Website des DAFV („Wir sind Interessenvertreter der Anglerschaft und kümmern uns kompetent, aktiv, erfolgreich um den Schutz der Natur.“) geht da schon in die richtige Richtung.

Wir hoffen, unseren Standpunkt verständlich vorgebracht zu haben und wünschen Ihnen und uns fruchtbare Diskussionen innerhalb des Präsidiums.

Für Gespräche stehen natürlich auch wir jederzeit zur Verfügung. Eine abschließende Bitte haben wir dennoch: Das Präsidium möge bei der Terminplanung des kommenden Jahres berücksichtigen, dass viele Delegierte nicht frei über ihre Zeit unterhalb der Woche verfügen können. Wir möchten daher ausdrücklich vorschlagen, künftige Termine vornehmlich auf Wochenenden zu legen.

Vielen Dank.

Mit einem freundlichem Petri Heil grüßt

Verband Deutscher Karpfenangel Clubs e.V.

Sven Brux
1. Vorsitzender

Christoph Reinecke
2. Vorsitzender

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